von Michael Neumann:

2018 war ein Jahr der Wetterrekorde

Auch für den Oberurseler Hobby-Meteorologen André Schröder war das Wetterjahr 2018 „sehr spannend, ein Jahr in dem natürlich auch in der Brunnenstadt die Wetterrekorde nur so purzelten." Ein Jahr auch, in dem in Oberursel wieder Eishockey möglich war, die Stadtwerke Oberursel einen Trinkwassernotstand beklagten und das Futter für Schröders Kaninchen Felix und Charlotte knapp wurde.

Selten wurde wohl in den vergangenen Jahren so oft über das Wetter gesprochen wie im gerade zu Ende gegangenen 2018, einem Jahr der Rekorde. Mit einer Durchschnittstemperatur von 12,2 Grad avancierte 2018 zum wärmsten Jahr seit Wetterdaten aufgezeichnet werden. „Das waren zwei Grad mehr als im Jahr 2006, und es fühlt sich so an, als wäre die vorhergesagte Zwei-Grad-Erwärmung der Erdtemperatur bereits jetzt angekommen“, sagt der Oberurseler Hobbymeteorologe André Schröder, der in der Brunnenstadt seit 2006 eine Wetterstation betreibt.

Dabei zeigte sich 2018 in seinen ersten Monaten, abgesehen vom milden Januar, durchaus normal und sogar winterlich. Der weitere Verlauf aber war, fragt man die Fans mediterranen Wetters, geradezu phänomenal. Verglichen mit den schon warmen Sommern der vorangegangenen Jahre, gab es 2018 einen ganzen zusätzlichen Sommermonat.

Eishockey möglich

Aber zurück zum Jahresbeginn. Etwas kälter als das Mittel war der Februar, der sich als Wintermonat mit viel Sonnenschein präsentierte. Kältester Tag des Jahres war mit Minus 10,1 Grad der 28. Februar. Schröder: „Die Temperaturen reichten endlich mal wieder für das selten gewordene Eishockeyspektakel, allerdings nur auf den Fischweihern am Franzoseneck. Der kalte Ostwind ließ den Maasgrundweiher nicht richtig zufrieren.“ Am Franzoseneck jedenfalls hatten Eishockeyfans nicht nur aus Oberursel Ende Februar und Anfang März ihren Spaß.

Die höchste Schneedecke hatte der Hobbymeteorologe am 19. März mit acht Zentimetern gemessen. Nur drei Wochen später zeigte das Thermometer schon 23 Grad. Von April bis August lagen die Temperaturen kontinuierlich vier bis fünf Grad über dem üblichen Mittel. Im April, aber auch im Mai und im Juni, gab es neue Rekorde bei den Monatsmitteltemperaturen. „Besonders der Mai schoss mit 18 Grad im Durchschnitt den Vogel ab. Der Wonnemonat wurde erstmals überhaupt als Sommermonat aufgezeichnet“, sagt Schröder.
Hobby-Meteorologe André Schröder analysiert die gelieferten Daten seiner Oberurseler Wetterstation.

Ab dem 7. April stiegen die Temperaturen dauerhaft über 20 Grad, was, mit wenigen Unterbrechungen, bis Mitte November anhielt. Insgesamt registrierte Schröders Wetterstation 2018 satte 95 Sommertage mit einer Höchsttemperatur von 25 Grad, das waren 32 mehr als 2011. Tropennächte mit mindestens 20 Grad gab es acht.

Auffällig war, sagt Schröder, dass es entgegen früherer Jahre bis Ende Juli keine Hitze- oder Gewitterphasen gab. Vielmehr lagen die Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad oder nur leicht darüber. Erst spät kam eine Hitzeperiode, die vom 24. Juli bis 9. August Temperaturen von über 30 Grad bescherte. Am 26. Juli wurde der Maximalwert von 35,4 Grad erreicht. Schröder: „Diese Periode war bemerkenswert lang, aber erstaunlicherweise die einzige im ganzen Sommer.“ Jetzt wurden auch in Oberursel die Rasenflächen gewässert. Ein Problem bald auch für die Oberurseler Wasserwerke, die am 7. August auf Probleme bei der Trinkwassergewinnung hinwiesen. Der Wasserverbrauch war in diesen Tagen doppelt so hoch wie üblich. Bereits Ende Juli hatten die Stadtwerke einen sparsamen Verbrauch des Trinkwassers angemahnt. „Oberursel steuert auf einen Trinkwassernotstand zu“, so eine Schlagzeile in den Zeitungen.

Not der Kleingärtner

Auch die Oberurseler Kleingärtner hatten unter der Wassernot zu leiden, erinnert sich Schröder. Was in den Beeten im Frühjahr aus dem Samen kam, konnte noch gut wachsen. Aber für eine spätere zweite Aussaat fehlte die notwendige Feuchtigkeit. Viel zarte Triebe wurde von der Sonne verbrannt.

 

Der fehlende Regen blieb auch im Hause Schröder nicht ohne Wirkung. „Die Versorgung unserer beiden Zwergkaninchen Felix und Charlotte war schwierig. Es gab nur einen saftigen Frühjahrsschnitt auf unserer Wiese, der reichte aber nicht lange. Ganz zu schweigen vom Aufbau eines Wintervorrates. Anders sah es auf unserer Terrasse aus. Tomatenpflänzchen, die mir mein Vater früh im April geschenkt hatte, brachten bereits im Mai die ersten Tomaten, die letzten haben wir Anfang November geerntet.

Angesichts des Dauersommers verwundert es nicht, dass 2018 mit 143 Regentagen so wenige wie noch nie gezählt wurden. An Niederschlag im Jahresverlauf wurden 626 Liter gemessen, der Minusrekord datiert aus dem Jahr 2015 mit 522 Litern. Der Winter 2017 hatte noch ein gutes Polster mit in den Frühling gebracht, immerhin reichten die Reserven für die Vegetation noch bis Mitte Juni. Trockenheit herrschte dann von Mitte Juni bis in den Dezember hinein, da fielen insgesamt nur 130 Liter Niederschlag.

Schröder: „Was die großen Flüsse im Herbst an Niedrigstand zeigten, zeigten im Kleinen auch die Taunusbäche. Allein der nasse Dezember mit 111 Litern verhinderte einen neuerlichen Minusrekord beim Niederschlag.

Den Rekordsommer führt Schröder auf das anhaltende Hochdruckwetter in Mitteleuropa zurück. „Selten schafften es die Tiefdruckgebiete vom Atlantik in unsere Breiten vorzudringen. Durch die Trockenheit in Mittel- und Westeuropa fehlte schlichtweg der Nachschub an Feuchtigkeit zum Beispiel aus Waldgebieten für die Wetterfronten.“

Wetter 2017

Erst trocken, dann richtig nass

VON Heiße Tage im Juni, Dauerregen im September und ein Winter mit Tagesschnee – das Wetter machte auch 2017 was es wollte. Der Oberurseler Hobbymeteorologe André Schröder hat wieder die Wetterdaten gesammelt. Der Winter 2017/2018, so vermutet er, könnte schon vorbei sein.
Das Wetter 2017 auf einen Blick: Die rote Linie zeigt von Januar bis Dezember die AufgezeichnetrTemperaturen an, die blaue die Regenmengen.  Hobbymetereologe André Schröder hat die Daten an seiner Wetterstation ermittelt.Foto: NeumannDas Wetter 2017 auf einen Blick: Die rote Linie zeigt von Januar bis Dezember die aufgezeichneten Temperaturen an, die blaue die Regenmengen. Hobbymeteorologe André Schröder hat die Daten an seiner Wetterstation ermittelt.Foto: Neumann
Hochtaunus. 

Sturmtief „Burglind“ sorgt zu Anfang des neuen Jahres für starke Regenfälle, auf Flüssen wie Mosel und Rhein muss die Schifffahrt eingestellt werden, im Taunus schwellen die Bäche an. Der Erlenbach, der in Bad Vilbel in die Nidda mündet, erreicht zurzeit eine selten gesehene Breite, in Ober-Eschbach tritt der Eschbach übers Ufer. Solcher Starkregen ist aber an sich nicht ungewöhnlich, sagt der Oberurseler Hobby-Meteorologe André Schröder, der seit 2006 mit der in seinem Garten aufgestellten vollautomatischen Wetterstation alle wetterrelevanten Daten aufzeichnet und analysiert. Nicht nur im April, sondern eigentlich das ganze Jahr über macht das Wetter, was es will – und lässt sich langfristig kaum vorhersagen.

André Schröder nennt ein Beispiel: „Mit je etwa 750 Litern Niederschlag pro Quadratmeter insgesamt in der Taunusregion lagen die Jahre 2017 und 2016 gleichauf, wobei 2017 die erste Jahreshälfte sehr trocken war, so richtig nass wurde es erst in Hälfte zwei. Im Jahr davor war es genau umgekehrt.“

Rückblickend auf der Jahr 2017 wird sich der Taunusbürger an drei kurze Hitzeperioden im Mai, Juni und Juli erinnern und an die regenreiche zweite Jahreshälfte. Vor allem im September war es nur selten angebracht, das Haus ohne Regenschirm zu verlassen. „Mit 78,8 Litern pro Quadratmeter war der September der niederschlagsreichste Monat, seit ich die Wetterdaten im Taunus aufzeichne“, sagt Schröder. Heißester Tag im vergangenen Jahr war der 7. Juni mit 34,2 Grad. Auch Ende Mai waren bereits 33,1 Grad gemessen worden, 33,6 Grad gab’s dann noch mal am 19. Juli.

„Ein chaotisches System“

Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom privaten Wetterdienst Q-met teilt die Einschätzung von Hobbymetereologe André Schröder, wonach der Winter 2017/18 vermutlich schon Geschichte sei.

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Markantester Monat im Jahresverlauf war aber zweifellos der Dezember, der zwei Grad über der Durchschnittstemperatur lag. Vier Mal gab es in letzten Monat des Jahres, was Schröder eine „Tagesschneedecke“ nennt, Schnee also, der nur für jeweils einen Tag den Taunus in eine Winterlandschaft verwandelte. „Idealerweise als Punktlandung zum 1. und 2. Adventssonntag passend zum Oberurseler Weihnachtsmarkt“, sagt Schröder.

Tief überm Taunus

Ungewöhnlich sei dieser Blitzschnee, weil er praktisch ohne richtig winterliche Temperaturen zustande gekommen sei. Ursache sei gewesen, dass im Wochenrhythmus Tiefdruckgebiete aus Nordwesten über die Taunusregion gezogen seien, die auf der Vorderseite mildere, auf der Rückseite kältere Luft mit sich brachten. „Das bescherte dem Feldberg vor Weihnachten eine Schneemenge von 40 Zentimetern, wie wir sie, das wissen wohl die wenigsten, seit Jahren nicht mehr hatten“, sagt Schröder. „Leider hat der Regen den Schnee nach drei Tagen wieder weggespült. Das tut einem richtig weh.“

Tiefe Temperaturen im Frostbereich waren im Dezember die Ausnahme. Den kältesten Tag des Jahres verzeichnete Schröders Wetterstation am 2. Dezember mit gerade mal minus 2,6 Grad. Paradoxerweise wurden die Höchsttemperatur mit 12,1 Grad am Silvesternachmittag gemessen. Insgesamt gab es im Dezember nur sechs Tage mit Minustemperaturen.

„Ohnehin werden wir als Folge des Klimawandels einen drei Monate andauernden Winter, wie es ihn früher einmal gab, wohl nicht mehr erleben“, glaubt Schröder. Die zurückliegenden Wetteraufzeichnungen betrachtend, kommt der Oberurseler zu dem Schluss, dass der Winter sich inzwischen in nur noch einem Monat erschöpft. „Das kann der Dezember, der Januar, der Februar oder auch der März sein, das belegen meine Aufzeichnungen. In diesem Winter ist es der Dezember, im vergangenen war’s der Januar.“ Damit sollte der diesjährige Winter eigentlich Geschichte sein.

Arm an Sonnenschein

Wer nun vermutet, dass angesichts der Plusgrade zum Jahresende die Sonne sich mehr als üblich sehen ließ, irrt. Denn mit nicht einmal 20 Stunden war der Dezember 2017 extrem sonnenscheinarm.

Das gilt aber nicht für das gesamte Jahr, denn mit insgesamt 1700 Stunden war 2017 sonniger als die beiden vorangegangenen Jahre. Die Durchschnittstemperatur war mit 11,3 Grad um 0,3 Grad wärmer als die des Vorjahres. Damit ist man allerdings noch ein Stück weit von der höchste Durchschnittstemperatur entfernt, die Schröder für das Jahr 2014 ermittelt hat. Damals betrug sie 12 Grad.

Von extremen Wetterlagen ist die Taunusregion bisher weitgehend verschont geblieben, wenn es im vergangenen Jahren auch einige heftige Stürme gab. „Vor Wetterkapriolen mit schlimmen Folgen gefeit ist der Taunus aber nicht“, weiß Schröder.

Fürs Wetter interessierte sich Hobbymeteorologe André Schröder übrigens schon als kleiner Junge, und ein besonderes Faible hat der 41-Jährige Vater von vier Söhnen seit jeher für Schnee. Von Beruf Banker, nimmt sich Schröder viel Zeit, das Wetter zu beobachten. Die Daten zum Wetter hält er seit 2006 mit seiner Wetterstation fest. Wer wissen möchte, wie viel Regen im vergangenen oder den Vorjahren gefallen ist und an wie vielen Tagen wie lange die Sonne schien, kann dies im Internet unter der Adresse www.oberursel-wetter.de nachschauen.

   
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