2015 war (zu) warm und trocken

von Michael Neumann

Zweitwärmstes Jahr im Taunus überhaupt – Magerer Grünschnitt – Landwirte trotzdem zufrieden

Auf weiße Weihnachten warten die Bürger im Taunus schon seit vier Jahren vergeblich. Ende Dezember registrierte die Wetterstation des Oberurselers André Schröder jeweils um die 10 Grad. Bezeichnend fürdas Wetter im vergangenen Jahr war die geringe Niederschlagsmenge von nur 522 Millimetern.Weniger gab es zuletzt vor 39 Jahren.

„Sehr warm und extrem trocken“, sagt der Oberurseler Hobbymeteorologe André Schröder und zieht eine kurze und knappe Bilanz des Wetters im Hochtaunus im vergangenen Jahr. Der 39 Jahre alte Schröder betreibt seit 2005 eine Wetterstation in Oberursel, zunächst in einem Garten an der Füllerstraße, inzwischen auf einem Grundstück an der Frankfurter Landstraße. 2015 war mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 11,7 Grad das zweitwärmste Jahr im Taunus überhaupt, übertroffen nur vom Vorjahr, als ein Durchschnitt von 12 Grad gemessen worden war.

Bezeichnend: Alle zwölf Monate des vergangenen Jahres waren wärmer als die im Vorjahr. „Der Trend mit den außergewöhnlich hohen Temperaturen ging noch 2013 und 2014 weiter, wir erleben Winter ohne Fröste und Sommer mit vielen Hitzetagen. Unwetter aber bleiben aus“, sagt Schröder. „Unser Wetter ist hausgemacht“ weiß er, und dass der jüngste Klimagipfel in Paris die große Wende bringen wird, daran hat der Oberurseler Zweifel.

Dass 2015 nicht zu einem weiteren Wärme-Rekordjahr wurde, lag daran, dass die Temperaturanstiege im ersten Halbjahr noch sehr moderat ausfielen. Die deutlichsten Steigerungen verzeichnete die vollautomatische Wetterstation in den Monaten Juli, August, November und Dezember. An einem Tag im Dezember gab es mit einer Durchschnittstemperatur von 7,3 Grad eine Steigerung um 5,9 Grad. Und es war schon das vierte Weihnachtsfest in Folge, das bei Temperaturen um 10 Grad gefeiert wurde. Schnee gab es wenn überhaupt nur kurz. „Schlittenfahren auf der Bleiche in Oberursel konnte man vergessen“, sagt Schröder.

Ungewöhnlich auch, dass am 10. Januar bei 15,1 Grad der Wintermantel im Schrank hängenbleiben

konnte. Ungewöhnlich kalt war es dagegen Mitte Oktober, als eine Tagestemperatur von nur 4,2 Grad

auf der Wetterstation aufgezeichnet wurde.

Trockenstes Jahr seit 1976

Zur globalen Erwärmung gehört wohl auch, dass es im Taunus 2015, wie schon im Vorjahr, nur einen

einzigen Eistag gab, einen Tag also ohne Plusgrade. Ohnehin sanken die Temperaturen nie weiter als

bis minus 5 Grad. Zurück zu den wärmeren Temperaturen im Jahresverlauf. Insgesamt gab es 27 Tage mit über 30 Grad. Heißester Tag im Taunus war der 7. August mit 39,2 Grad. Sonnenreich waren die Frühlingsmonate März und April.

Sehr zum Verdruss vor allem der Landwirte ließ es Petrus weiter seltener regnen als in den Vorjahren.

Mit einem Jahresniederschlag von nur 522 Millimetern war 2015 das trockenste Jahr seit 1976, als nur

466 Millimeter des kostbaren Nasses auf die Felder herabfielen. Das waren gerade mal 67 Prozent der üblichen Durchschnittsmenge. „Kaum zu glauben, dass die Böden dennoch so viel Erträge bringen“, staunt Schröder. Denn vor allem in der Hauptvegetationsphase Februar bis August regnete es viel zu selten. „Es gab nur sehr wenig Grünschnitt für die Tierfütterung“, sagt der Hobbymeteorologe. Dafür waren 2105 aber insgesamt mehr Sonnenstunden als Resultat vieler Hochdruckwetterlagen über Mitteleuropa zu verzeichnen.

Für die Landwirtschaft hat die Trockenheit keine bleibenden Folgen, sagt der Homburger Landwirt

Hans-Georg Wagner. Die Böden im Vordertaunus seien ertragreich und so tiefgründig, dass sie Wasser speicherten. „Wir Bauern waren mit der Ernte zufrieden – trotz Preisverfalls“, so Wagner. Und auch die Winteraussaat sehe gut aus. Weniger glücklich ist dagegen Förster Günter Busch vom Homburger Stadtwald. „Die Folgen der Trockenheit werden wir erst in einigen Jahren sehen“, sagt er. Er befürchtet, dass es zu Pilzerkrankungen der Bäume kommen könnte.

Eine Vorhersage für die kommenden Tage wagt André Schröder auch. „Mitte Januar, so um den 13. des Monats, wird der Winter nach der Stippvisite vom vergangenen Montag zurückkehren. Wie lange er dann bleiben wird, ist aber noch unklar.“

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Artikel vom 07.01.2016, 03:30 Uhr (letzte Änderung 07.01.2016, 10:20 Uhr)

2014 sorgte für einige Wetter-Kuriositäten

Das wärmste Jahr

09.01.2015

Von Michael Neumann

Mit knapp 6 Grad unter Null, gemessen an der Wetterstation des Oberurseler Hobby-Meteorologen André Schröder, war der 28. Dezember der kälteste Tag im Jahr 2014. Den heißesten Tag des Jahres erlebten die Taunusbürger bereits am 9. Juni. Da zeigte das Thermometer um 17.10 Uhr stolze 35,2 Grad, und das zwei Wochen vor dem kalendarischen Sommeranfang. Die TZ hat das Wetter 2014 unter die Lupe genommen.

Für die Jahreszeit ungewöhnliche 16 Grad haben die Wetterdienste für das kommende Wochenende angekündigt. Wirklich ungewöhnlich? Wer sich noch an den Jahresbeginn 2014 erinnert, weiß, dass in der zweiten Januarwoche im Taunus ebenfalls bereits 14 Grad erreicht wurden. „Wir haben für 2014 eine Durchschnittstemperatur von 12 Grad gemessen, das waren gut drei Grad mehr als das Mittel der vergangenen 30 Jahre“, sagt André Schröder. „Verantwortlich waren die viel zu warmen Herbst- und Wintermonate. Die Monate Januar bis April waren 4 bis 5 Grad zu warm.“

Aufgezeichnet werden alle wetterrelevanten Daten für den Taunus schon seit November 2004 an der Messstation des Oberurseler Hobby-Meteorologen. Diese stand zunächst in einem Garten an der Füllerstraße und wechselte inzwischen in die Frankfurter Landstraße.

Der kälteste Tag des vergangenen Jahres ließ bis zum Jahresende auf sich warten – und der war nicht einmal so richtig klirrend kalt. „Gerade einmal minus 5,7 Grad wurden am 28. Dezember gemessen. Im Jahr davor waren es immerhin noch minus 10 Grad“, sagt Schröder. Frostig mit weniger als null Grad war es an 20 Tagen, das war im Jahr davor noch an 81 Tagen der Fall. Selten auch, dass es nur einen Eistag gab – also einen Tag, an dem das Thermometer die Null-Grad-Grenze nicht überschritt.

Ebenfalls ungewöhnlich am Taunus-Wetter 2014 war, dass der heißeste Tag des vergangenen Jahres nicht wie üblich im Juli oder August gemessen wurde, sondern mit sage und schreibe 35,2 Grad bereits am 9. Juni. Das brachte die Taunusbürger schon zwei Wochen vor dem Sommeranfang mächtig ins Schwitzen. „Bemerkenswert früh“, kommentiert Schröder. „Das heißeste Pfingstfest aller Zeiten“, meldete der Deutsche Wetterdienst.

Leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr war die Zahl der Sonnenstunden, die an der Oberurseler Station registriert wurden. 1099 Stunden waren es 2013, 1000 im vergangenen Jahr. „Rekord-Hitzewerte waren nicht zu verzeichnen“, sagt Schröder. Mit den genannten Werten lag der Taunus über der bundesweiten Durchschnittstemperatur 2014 von 10,3 Grad. Gleichwohl wurden die Rekordjahre 2000 und 2007 noch mal getoppt. 2014 war das wärmste Jahr in Deutschland seit dem Beginn regelmäßiger Temperaturmessungen im Jahr 1881.

181 Tage Regen

Weitaus mehr Regen als im Vorjahr fiel 2014 vom Taunus-Himmel. Betrug die Niederschlagsmenge 2013 noch 628 Liter, waren es 2014 mehr als 858 Liter pro Quadratmeter. So richtig geschüttet hat es am 26. August, als der Himmel alle Schleusen öffnete und 64 Liter auf die Erde prasselten. Der Regenschirm musste an 181, also praktisch jeden zweiten Tag des Jahres, aufgespannt werden. Vor allem in den Ferienmonaten Juli und August regnete es häufig. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit lag 2014 mit 80 Prozent etwas unter der des Vorjahres, als die Messstation 82 Prozent ermittelte.

Natürlich hatte das Wetter auch Auswirkungen auf die Pflanzenwelt. Schröder: „Im Vergleich zu 2013 begann die Vegetationsphase sehr früh und hielt sehr lang an bis in den November hinein. Das konnte jeder, der ein Gartengrundstück hat, am notwendig vielen Rasenmähen messen.“

Nicht nur die Wetterstatistiken für das vergangene Jahr sind auf der Homepage von André Schröder, oberursel-wetter.de, einzusehen, sondern auch alle Daten über das tägliche Wetter mit Temperaturen, Luftdruck und anderem mehr finden sich dort.

   
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