Taunuszeitung 22.12.2012

Zu wenig Sonne im Taunus

Die Sonne hatte es in diesem Jahr schwer, sich gegen die Wolken durchzusetzen. Foto: Pieren

Die Sonne hatte es in diesem Jahr schwer, sich gegen die Wolken durchzusetzen. Foto: Pieren

Von Alexander Wächtershäuser

Ein meteorologisch durchwachsenes Jahr liegt nun bald hinter dem Hochtaunuskreis. Es war etwas kühler und regnerischer als im Vorjahr, extreme Wetterlagen blieben diesmal jedoch aus. Dennoch hat 2012 mit einigen Besonderheiten aufzuwarten. So sind die für die kommenden Tage vorhergesagten 13 Grad rekordverdächtig mild. Doch es gibt noch weitaus mehr Bemerkenswertes. 

Der Oberurseler André Schröder sammelt seit Jahren die meteorologischen Daten und veröffentlicht sie auf seiner Homepage. Danach beträgt die Durchschnittstemperatur in diesem Jahr bislang 9,7 Grad Celsius, es regnete an 172 Tagen, dabei prasselten 684 Liter auf den Quadratmeter (l/qm). Durchschnittlich schien im Taunus vier Stunden lang am Tag die Sonne. Zum Vergleich: 2011 war die Durchschnittstemperatur noch zweistellig gewesen: 10,2 Grad Celsius, es regnete zwar an weniger Tagen (162), dafür waren aber die Niederschläge ergiebiger (745 l/qm), und die Sonne schien im Durchschnitt eine Stunde länger am Tag als in diesem Jahr. 

Auch wenn es manchem im Sommer vielleicht so vorgekommen sein mag, die längste Frostperiode gab es nicht etwa im Juli und August, sondern im Winter, Anfang Februar. Zwei Wochen lang blieb das Thermometer unter der Null-Grad-Grenze. Auch der kälteste Tag des Jahres war im Februar. Am 12. Februar sank die Temperatur auf eisige minus 16,8 Grad Celsius. 


35 l/qm an einem Tag



Auch wenn man sich bei den nackten Zahlen im Mittel der vergangenen Jahre bewegt, so scheinen doch die Jahrezeiten ein wenig durcheinandergeraten zu sein: Aus Schröders Daten geht hervor, dass der niederschlagsreichste Monat des Jahres der Januar war mit 122 l/qm, doch dann folgt bereits der Sommermonat Juli mit stolzen 109 Litern. Davon entfielen allein 35 auf den 28. Juli, den regenreichsten Tag des Jahres. Der Juli 2012 sogar der regnerischste seit mehr als fünf Jahren. Am trockensten war es hingegen im Februar und im März mit 9,6 und 21 l/qm. August und September waren ebenfalls zu trocken. 

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Temperaturen. Den wärmsten Tag des Jahres gab es zwar standesgemäß im Sommer, nämlich am 19. August mit 34,6 Grad, doch die 30-Grad-Marke wurde bereits im April geknackt. Der April wartete noch mit einer anderen Besonderheit auf: Ende April stieg das Thermometer binnen einer Woche von 11 auf 31 Grad. 20 Grad Differenz wurde bisher noch in keiner Aprilwoche gemessen. 

Trotz dieser Ausreißer sieht André Schröder das Jahr 2012 als ein normales an. "Es gab einen Winter, der war mit zwei Wochen zwar kurz, aber knackig. Das Frühjahr war schön. Der Sommer war gefühlt schlecht, aber tatsächlich war er, was die Temperatur und Niederschläge angeht, ebenfalls durchschnittlich. Es fehlten jedoch die stabilen Hochdruckgebiete." Auch der Dezember mit den schwankenden Temperaturen ist für ihn nicht außergewöhnlich: "Der Wechsel zwischen knackig-kalt und feucht-warm ist ein Kennzeichen unseres Winters." Allerdings sei das Jahr viel zu trocken gewesen. Und so war sein "meteorologisches Highlight" im Oktober. "Binnen einer Woche gab es spätsommerliche Temperaturen und eine geschlossene Schneedecke. Das ist selten", sagt Schröder.

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