Gute Aussichten

Warum uns Hobby-Meteorologe André Schröder Hoffnung auf einen schönen Sommer macht

Endlich Sonne. Endlich warm. Endlich Frühling. Nach 3 Monaten hat der Winter seinen Würgegriff gelockert. Alles grübelt: Bleibt es jetzt warm? Werden wir mit einem Traumsommer für den Über-Winter entschädigt?

Wie wird der Sommer? Wir wollten es genau wissen und haben den Oberurseler Hobby-Meteorologen André Schröder befragt. Der muss es schließlich wissen. Seine Wetterstation im Garten liefert ihm seit acht Jahren ununterbrochen Daten. Und genau das ist es, was er will, seitdem er als 12-Jähriger anfing, mit dem Thermographen das Wetter zu messen, Daten sammeln, um „in 20, 30 Jahren an meinem eigenen Wohnort den Klimawandel nachvollziehen zu können“.

Und auch, wenn dem Mann eine wirkliche Prognose nicht zu entlocken ist - „mehr als zwei Wochen lässt sich das Wetter nicht voraussagen“ -, macht sein Zahlenwerk doch Hoffnung. Sein Rückblick auf den Monat März lässt ein paar erfreuliche Schlussfolgerungen zu: „Der März hatte ein durchschnittliches Minimum von -2,3 Grad und ein Maximum von +6,3 Grad. Damit geht der März als Vollwintermonat durch“, sagt er.

Nicht kalt

Klirrende Kälte bis in den April hinein. Wobei wir noch von Glück reden konnten, dass eine durchgängige Wolkendecke Schlimmeres verhindert hat. Oder wie der Meteorologe weiß: „Viele Wolken und wenig Sonne führten dazu, dass es nicht so kalt war. Ein Winter eben wie in unserer Kindheit.“ Mit Ausnahme der Taunus-Höhenlagen. Dort führte die Höhenkaltluft zu extremer Kälte. Im Normalfall gilt: Pro 100 Meter Höhe sinkt das Thermometer um ein Grad. Im März waren es schon über 700 Meter 10 Grad Differenz und mehr.

Immerhin: „Der Schnee ist jetzt vom Tisch“, unterstreicht Schröder, und dann kommt der entscheidende Hinweis: „Der März 2013 ähnelt vom Verlauf dem März 2006. Er war nur ein Grad kälter als damals.“ Das lässt aufhorchen: 2006 - da war doch was? Hobby-Meteorologe Schröder bestätigt: Wenn sich die Gesamtsituation, die wir 2006 hatten, wiederholt und sich die kontinentale Wetterlage aktiviert, könnte der Sommer wie 2006 werden. Warm und trocken. Zur Erinnerung: Im WM-Jahr war das Frühjahr bis in den Juni hinein sehr durchwachsen.

Gute Aussichten

Mix wettervorhersarge 07APR

Vom Tag des Eröffnungsspiels jedoch am 9. Juni herrschte vier Wochen lang Traumwetter. Gefolgt von einem durchwachsenen August, der ein Grad zu kalt ausfiel. Ab Ende August allerdings bis ins neue Jahr hinein war es deutlich wärmer als im Durchschnitt. Und in der Tat: Auch der Hundertjährige Kalender lässt den Vergleich zu. 2013 und 2006 sind Mondjahre und ähneln sich in der Prognose.

Taunuszeitung 22.12.2012

Zu wenig Sonne im Taunus

Die Sonne hatte es in diesem Jahr schwer, sich gegen die Wolken durchzusetzen. Foto: Pieren

Die Sonne hatte es in diesem Jahr schwer, sich gegen die Wolken durchzusetzen. Foto: Pieren

Von Alexander Wächtershäuser

Ein meteorologisch durchwachsenes Jahr liegt nun bald hinter dem Hochtaunuskreis. Es war etwas kühler und regnerischer als im Vorjahr, extreme Wetterlagen blieben diesmal jedoch aus. Dennoch hat 2012 mit einigen Besonderheiten aufzuwarten. So sind die für die kommenden Tage vorhergesagten 13 Grad rekordverdächtig mild. Doch es gibt noch weitaus mehr Bemerkenswertes. 

Der Oberurseler André Schröder sammelt seit Jahren die meteorologischen Daten und veröffentlicht sie auf seiner Homepage. Danach beträgt die Durchschnittstemperatur in diesem Jahr bislang 9,7 Grad Celsius, es regnete an 172 Tagen, dabei prasselten 684 Liter auf den Quadratmeter (l/qm). Durchschnittlich schien im Taunus vier Stunden lang am Tag die Sonne. Zum Vergleich: 2011 war die Durchschnittstemperatur noch zweistellig gewesen: 10,2 Grad Celsius, es regnete zwar an weniger Tagen (162), dafür waren aber die Niederschläge ergiebiger (745 l/qm), und die Sonne schien im Durchschnitt eine Stunde länger am Tag als in diesem Jahr. 

Auch wenn es manchem im Sommer vielleicht so vorgekommen sein mag, die längste Frostperiode gab es nicht etwa im Juli und August, sondern im Winter, Anfang Februar. Zwei Wochen lang blieb das Thermometer unter der Null-Grad-Grenze. Auch der kälteste Tag des Jahres war im Februar. Am 12. Februar sank die Temperatur auf eisige minus 16,8 Grad Celsius. 


35 l/qm an einem Tag



Auch wenn man sich bei den nackten Zahlen im Mittel der vergangenen Jahre bewegt, so scheinen doch die Jahrezeiten ein wenig durcheinandergeraten zu sein: Aus Schröders Daten geht hervor, dass der niederschlagsreichste Monat des Jahres der Januar war mit 122 l/qm, doch dann folgt bereits der Sommermonat Juli mit stolzen 109 Litern. Davon entfielen allein 35 auf den 28. Juli, den regenreichsten Tag des Jahres. Der Juli 2012 sogar der regnerischste seit mehr als fünf Jahren. Am trockensten war es hingegen im Februar und im März mit 9,6 und 21 l/qm. August und September waren ebenfalls zu trocken. 

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Temperaturen. Den wärmsten Tag des Jahres gab es zwar standesgemäß im Sommer, nämlich am 19. August mit 34,6 Grad, doch die 30-Grad-Marke wurde bereits im April geknackt. Der April wartete noch mit einer anderen Besonderheit auf: Ende April stieg das Thermometer binnen einer Woche von 11 auf 31 Grad. 20 Grad Differenz wurde bisher noch in keiner Aprilwoche gemessen. 

Trotz dieser Ausreißer sieht André Schröder das Jahr 2012 als ein normales an. "Es gab einen Winter, der war mit zwei Wochen zwar kurz, aber knackig. Das Frühjahr war schön. Der Sommer war gefühlt schlecht, aber tatsächlich war er, was die Temperatur und Niederschläge angeht, ebenfalls durchschnittlich. Es fehlten jedoch die stabilen Hochdruckgebiete." Auch der Dezember mit den schwankenden Temperaturen ist für ihn nicht außergewöhnlich: "Der Wechsel zwischen knackig-kalt und feucht-warm ist ein Kennzeichen unseres Winters." Allerdings sei das Jahr viel zu trocken gewesen. Und so war sein "meteorologisches Highlight" im Oktober. "Binnen einer Woche gab es spätsommerliche Temperaturen und eine geschlossene Schneedecke. Das ist selten", sagt Schröder.

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